Holzkohle selber machen mit dem Kon-Tiki (Teil 2)

An dieser Stelle möchte ich einmal ausführlich darstellen, wie schnell und einfach die Herstellung von Holzkohle mit einem Kon-Tiki ist. Im März diesen Jahres habe ich den gesamten Prozess vom Beschicken des Meilers mit Holz über das Abbrennen bis zum Ablöschen fotografisch dokumentiert. Ich habe keine Mengenangaben von Holz vor dem Prozess und Kohle nach dem Prozess – mein Anspruch ist schließlich nicht, mit empirischen Methoden eine wissenschaftliche Arbeit zu erstellen. Da ich aber die jeweiligen Materialien mit einem Zollstock als Maßstab fotografiert habe, kann man sicher die Mengen grob einschätzen. Dies sollte dem Gärtner allemal reichen.

Es versteht sich eigentlich von selbst: die Holzkohle ist nur so sauber wie das Holz, aus dem sie hergestellt wird. Wenn man einen Kon-Tiki als private Müllverbrennungsanlage zur Entlastung der Restmülltonne missbraucht, verstößt man nicht nur gegen diverse Gesetze und Verordnungen, sondern erhält eine belastete Kohle, die die Gartenerde im schlimmsten Fall vergiften statt verbessern wird. Daher dieser Appell: nur unbehandeltes, unbemaltes Holz (oder ähnliche Naturstoffe wie Tannenzapfen, Nussschalen, Obstkerne) in den Kon-Tiki!

Einen rauchfreien Abbrand erhält man natürlich nur, wenn das Brennmaterial ausreichend trocken ist. Wenn der Kon-Tiki erst einmal richtig in Fahrt gekommen ist und eine kräftige Flamme brennt, kann auch feuchteres Holz in kleinen Mengen (z.B. ein frisch abgeschnittener Baumast) seitlich in den Brennraum gelegt werden. Die Hitze ist dann schon so groß, dass die Feuchtigkeit verdampft, ohne das Feuer zu sehr abzukühlen und große Rauchschwaden zu erzeugen.

Wer einen Holzkohlegrill betreiben kann, kann auch einen Kon-Tiki befeuern. Bei jedem offenen Feuer müssen aber Sicherheitsregeln eingehalten werden. Daher weise ich auf folgende Punkte besonders hin:

  • Den brennenden Kon-Tiki nie unbeaufsichtigt lassen!
  • Niemals Brandbeschleuniger wie Brennspiritus oder Benzin zum Anzünden verwenden!
  • Die Strahlungshitze des Kon-Tikis ist enorm. Ausreichend Abstand (mehrere Meter!) zu brennbaren oder hitzeempfindlichen Gegenständen wahren!
  • Das Metall des Kon-Tikis wird beim Brand glühend heiß. Berührungen der Metallteile können schwerste Verbrennungen hervorrufen!
  • Ausreichend Wasser (mehrere Eimer!) als Löschmittel bereit halten!
  • Die glühende Holzkohle sorgfältig ablöschen, damit keine Glutnester in der Kohle bestehen bleiben!

Die Aufzählung ist nicht abschließend.

Jeder hat beim Umgang mit Feuer auf die gängigen Sicherheitsvorschriften eigenverantwortlich zu achten. Wer sich seiner Sache nicht sicher ist, befrage seine örtliche Feuerwehr! Ich weise darauf hin, dass ich selbstverständlich keine Haftung für irgendwelche Schäden übernehme, die aus dem Betrieb eines Kon-Tikis entstehen. Auch darüber hinaus gehende Regressansprüche gegen den Autor sind ausgeschlossen.

Nach den langen – leider notwendigen – Einleitungsworten nun der Kon-Tiki im Einsatz.

Ich habe für den Brand trockenes (unbelastetes) Bauholz in kleine Scheite gespalten. Es empfiehlt sich, Holzstücke der selben Größe zu verwenden, weil diesen dann gleichmäßig verkohlen. Große Holzklötze benötigen zu viel Zeit, um komplett durch zu glühen. Kleinere Stücke zerfallen bereits zu Asche, bevor große zu Kohle umgesetzt sind.

Ich brenne meinen Kon-Tiki immer von oben nach unten ab; d.h. ich befülle ihn lose mit der gesamten Menge Brennholz, schichte Kleinholz (Anmachholz) auf das Brennholz und entzünde den Holzstoß mit Kaminanzündern (wachsgetränkte Holzwolleknäuel).

Beim gesamten Abbrand entsteht kaum Rauch. Falls während des Brennens neues Holz auf die Flammen geworfen wird, raucht es nur solange, bis das neue Brennmaterial Feuer fängt.

Oftmals befinden sich unter der Glut einige Holzstücke, die noch nicht komplett verkohlt wurden. Ich wende daher vor dem Ablöschen die Glut mit einer langen Eisenstange, um die Holzstücke an die Oberfläche zu befördern. Dort brennen sie in kurzer Zeit lichterloh herunter.

Für das Ablöschen benötige ich je nach Holzmenge zwei bis drei 10-l-Gießkannen Wasser. Beim Auftreffen des Wassers auf die Glut und die glühenden Metallteile entsteht eine große Dampfwolke. Vorsicht mit Händen und Gesicht: der heiße Dampf kann die Haut verbrühen!

 

 

Kon-Tiki von oben! Obere Öffnung 90×90 cm, untere Öffnung 30×30 cm
Brennholzstapel
Brennholz lose im Kon-Tiki aufgeschichtet
Mit einem Kaminanzünder wird Kleinholz auf dem Holzstapel entzündet – 10.28 Uhr
Das Kleinholz brennt bereits – 10.33 Uhr
Die Flamme breitet sich aus – 10.38 Uhr
Die Hälfte der Oberfläche brennt schon – 10.45 Uhr
Fast die gesamte Holzoberfläche steht schon in Flammen – 10.53 Uhr
Die Flammen fressen sich nach unten in das Holz – 10.57 Uhr
Die Flammen gehen zurück. Die Strahlungshitze ist so groß, dass man einen Meter Abstand vom Kon-Tiki halten muss – 11.02 Uhr
Im Inneren der Glut befinden sich noch nicht verglühte Holzstücke – 11.13 Uhr
Mit einer Metallstange werden die nicht verglühten Holzstücke an die Oberfläche gebracht. Sie lodern hell auf – 11.20 Uhr
Nur noch kleine Flammen auf der Glut – 11.28 Uhr
Ablöschen! Kein Rauch, sondern Wasserdampf, der in Sekunden verfliegt – 11.33 Uhr
Die Ausbeute liegt zwischen einem Drittel und einer Hälfte des Ausgangsmaterials.

Ich lasse den Kon-Tiki bei Wind und Wetter draußen. Natürlich rostet er durch die starke Hitzeeinwirkung und das Lösch- und Regenwasser. Ich denke aber, dass er bei der Metallstärke von 3mm doch einige Jahre seine Dienste tun wird.

Zu den bisher erschienenen Beiträgen!